9 Tipps für eine gute technische Übersetzung

//9 Tipps für eine gute technische Übersetzung

9 TIPPS FÜR EINE GUTE TECHNISCHE ÜBERSETZUNG

WIE IHRE TECHNISCHEN ÜBERSETZUNGEN AUF ANHIEB BESSER WERDEN

Maschinen, Software und andere technische Erzeugnisse werden heute zunehmend global vermarktet. Dadurch steigt auch die Nachfrage an professionellen Technik-Übersetzungen.  Allerdings ist es oft nicht einfach, einen geeigneten Übersetzer zu finden. Zahlreiche Übersetzer schrecken vor technischen Texten zurück. Technische Übersetzungen beinhalten nämlich spezielle Schwierigkeiten. Ohne entsprechende Sprachkompetenzen und ein ausreichendes technisches Grundverständnis lassen sich technische Texte nur schwer bewältigen. Doch selbst diese Voraussetzungen führen noch nicht zwangsläufig zu einem guten Ergebnis.

Bei der technischen Übersetzung müssen verschiedene Aspekte beachtet werden. Als kleine Hilfe haben wir deshalb neun Tipps gesammelt, die Sie ganz einfach umsetzen können: So wird Ihre nächste technische Übersetzung garantiert besser!

Lesen Sie den Text komplett durch, bevor Sie mit der Übersetzung beginnen

Dieser Tipp dürfte größtenteils schon bekannt sein. Er hört sich für die  meisten auch erst mal plausibel an. Trotzdem wird dieser Schritt in der Praxis häufig übersprungen, da er zeitintensiv scheint. Gerade bei neuen Fachgebieten, Auftraggebern oder Textsorten sollte dieser Schritt aber auf gar keinen Fall weggelassen werden. Wer sich die Zeit nimmt, den Text einmal komplett durchzulesen, kann sich ein gutes Bild vom zeitlichen Aufwand für die Übersetzung, der Qualität des Ausgangstexts und den eventuellen terminologischen und inhaltlichen Schwierigkeiten machen. Die Zeit, die Sie in die Vorbereitung investieren, wird Ihnen anschließend bei der zeitlichen Planung der Arbeit helfen. Dadurch können Sie sich bei Zweifeln oder inhaltlichen Fragen rechtzeitig bei Ihrem Auftraggeber oder einem Experten melden. Fehler, die durch Zeitdruck sehr schnell entstehen, lassen sich auf diese Weise fast vollständig vermeiden.

Recherchieren Sie Fachbegriffe in der Ausgangs- und Zielsprache

Technische Übersetzungen haben eine grundlegende Komponente: Terminologie. Eine gute technische Übersetzung erkennt man unter anderem daran, dass die richtigen Fachbegriffe  konsistent eingesetzt werden. Doch wie erreicht man das? Darauf gibt es eine einfache Antwort: durch ein gut recherchiertes Glossar oder eine Terminologiedatenbank.

Wichtig ist bei der terminologischen Recherche vor allem, dass Sie verlässliche Referenztexte in Ihrer Ausgangs- und Zielsprache als Arbeitsgrundlage verwenden. Versuchen Sie dabei, nicht zu sehr auf übersetzte Texte zurückzugreifen. Viel mehr sollten Sie darauf achten, dass Sie originalsprachliche Texte verwenden, die von zuverlässigen Quellen stammen. Mit dieser Methode können Sie am einfachsten feststellen, welche Fachbegriffe in der Praxis auch tatsächlich benutzt werden.

Terminologiearbeit ist zwar aufwändig, aber: Sehen Sie eine gründliche terminologische Recherche stets als Investition in die Zukunft. Gute Glossare sind eine ausgezeichnete Grundlage für neue Übersetzungen.

Verwenden Sie die richtigen Hilfsmittel

Bereits im vorherigen Punkt stand die Wichtigkeit eines gut recherchierten Glossars im Vordergrund. Im Internet sind bereits zahlreiche gute Glossare zu unterschiedlichen Fachgebieten verfügbar. Einige dieser Ressourcen finden Sie beispielsweise auf glossarissimo oder TermCoord oder proz.com. Trotzdem müssen Sie Ihr Glossar vermutlich in 90% der Fälle selbst erstellen.

Auch dafür gibt es aber Hilfsmittel, mit denen Sie Ihre Effizienz und Produktivität steigern können. Durch sogenannte Terminologieextraktionsprogramme (z. B. AntConc, MultiTerm Extract, Termflow) ist es möglich, die Terminologie in Ihren Referenztexten computergestützt zu analysieren. Dadurch können Sie Ihre Arbeit erheblich erleichtern und finden so die Termini, die in der jeweiligen Sprache und im betreffenden Fachbereich auch von muttersprachlichen Experten verwendet werden. Natürlich können Sie auch auf die klassischen zweisprachigen Technik-Wörterbücher zurückgreifen, allerdings müssen Sie sich dann meist zwischen mehreren möglichen Übersetzungsvarianten entscheiden, was ohne die Analyse von Referenztexten oft relativ schwierig sein kann.

Halten Sie die Sätze so einfach wie möglich

Bei technischen Texten gilt grundsätzlich: Einfach ist gut. Verwirren Sie Ihren Leser nicht durch umständliche oder verschachtelte Satzstrukturen. Technische Texte dienen vordergründig der Vermittlung von Informationen. Ein komplizierter Satzbau wäre also kontraproduktiv. Halten Sie Ihre Sätze möglichst kurz und vermeiden Sie Passivkonstruktionen. Im Idealfall zeichnet sich der Ausgangstext bereits durch kompakte und prägnante Sätze aus, sodass bereits eine gute Ausgangsposition vorhanden ist. Selbst unter guten Ausgangsbedingungen sollten Sie sich während der Übersetzung aber die Frage stellen, ob sich einzelne Sätze in der Zielsprache noch weiter vereinfachen lassen. Beim Verfassen eines technischen Texts kann es schnell passieren, dass ein Satz komplizierter formuliert wird, als theoretisch notwendig wäre. Sie als Übersetzer haben im Vergleich zum Autor mehr Distanz zum Text (und auch zum Inhalt). Dadurch ist es für Sie einfacher, eventuelle Textstellen zu vereinfachen. Vergewissern Sie sich bei längeren Sätzen immer, ob der Text verständlicher wäre, wenn Sie den Satz auf zwei oder mehrere Sätze aufteilen würden. Die Lesbarkeit sollte immer an erster Stelle stehen.

Formulieren Sie klar und präzise

Ähnlich wie bei der Satzstruktur sollten Sie bei den Formulierungen auf größtmögliche Klarheit achten. Bei einer technischen Übersetzung geht es nicht darum, sprachliche Stilmittel gekonnt zum Besten zu geben. Es kommt viel mehr darauf an, Inhalte so darzustellen, dass möglichst wenig Raum für Zweifel und Missverständnisse bleibt. Das ist natürlich nicht unbedingt einfach. Die beschriebenen Inhalte sind nämlich bei technischen Texten in der Regel komplex. Um die Informationsbeschaffung für Ihren Leser zu erleichtern, sollten Sie die im Glossar gesammelten Fachbegriffe konsequent anwenden.

Übrigens: Wortwiederholungen sind bei technischen Texten willkommen! Übersetzen Sie den deutschen Begriff „Bodenplatte“ im Französischen abwechselnd einmal mit „plaque de fond“, „plaque de soil“ oder „plate fond“, haben Sie Ihre Übersetzung damit nicht stilistisch aufgewertet, sondern nur erreicht, dass der Leser verwirrt ist. Ihr Leser wird durch Ihre gut gemeinten Synonyme eventuell daran zweifeln, ob es sich immer um dieselbe Bodenplatte handelt oder ob es mehrere unterschiedliche Arten von Platten gibt. Auch unnötige Füllwörter oder vage Formulierungen führen beim Leser grundsätzlich nur zu Missverständnissen oder einem erschwerten Leseverständnis. Also lieber vermeiden!

Fragen Sie bei inhaltlichen Zweifeln nach

Bei technischen Übersetzungen ist es absolut inakzeptabel, bei inhaltlichen Zweifeln nicht nachzufragen. Intuition und Bauchgefühl sind hier nicht die richtige Lösung. Falls im Laufe der Übersetzung Fragen aufkommen, auf die Sie trotz umfangreicher Recherche keine Antwort finden können, sollten Sie beim Auftraggeber oder Verfasser des Textes nachfragen. Die meisten Auftraggeber nehmen Rückfragen zum Text positiv wahr. Übersetzungen, die lediglich auf „Vermutungen“ des Übersetzers basieren, machen keinen sehr professionellen Eindruck. Zögern Sie deshalb nicht, nach ausführlicheren Erklärungen zu fragen.

Sie sollten es bei den Rückfragen allerdings auch nicht übertreiben: Stellen Sie ausschließlich Fragen die nicht

  1. auf ein unzureichendes technisches Grundverständnis schließen lassen.
  2. durch Recherchen im Internet geklärt werden können.
  3. auf ein ungenügendes Sprachverständnis in der Ausgangssprache zurückzuführen sind.

Wenden Sie sich bei Fragen dieser Art lieber an Kollegen, die über das notwendige Fachwissen verfügen, um Ihnen weiterzuhelfen.

Verzichten Sie niemals auf das Lektorat

Fehler können sehr tückisch sein, und egal wie sorgfältig Sie arbeiten oder wie oft Sie Ihre Übersetzung selbst durchlesen: Die eigenen Fehler im Text zu finden ist schwierig. Sehen Sie sich daher immer nach einem geeigneten Korrekturleser um. Im besten Fall handelt es sich dabei um einen zweiten Experten, der sowohl fachlich als auch sprachlich in der Lage ist, Ihre Übersetzung mit dem Ausgangstext zu vergleichen und auf etwaige Ungereimtheiten zu prüfen. Auf diese Weise vermeiden Sie nicht nur Übersetzungsfehler, sondern auch formale Ungenauigkeiten wie Rechtschreib- und Grammatikfehler. Sollten Sie wirklich keinen Korrekturleser finden, können Sie das Lektorat auch selbst durchführen. Dann sollten Sie aber unbedingt darauf achten, die Übersetzung nicht noch am selben Tag zu überprüfen. Lassen Sie zwischen der Übersetzung und dem Lektorat grundsätzlich mindestens einen Tag verstreichen. Auf diese Weise gewinnen Sie mehr Abstand zum Geschriebenen, wodurch es etwas leichter wird, die eigenen Fehler im Text zu erkennen.

Achten Sie auf die optische Darstellung des Texts

Selbst die beste technische Übersetzung kann schnell unübersichtlich werden, wenn sie nicht an das ursprüngliche Layout angepasst wird. Die Benutzerfreundlichkeit der Übersetzung sollte stets Ihr oberstes Prinzip sein. Darum ist ein einfacher Satzbau ebenso relevant wie ein gut strukturiertes Layout. Liefern Sie Ihre Übersetzung aus diesem Grund nach Möglichkeit im Format des Ausgangstexts. Das allein genügt aber noch nicht. Lesen Sie Ihre Übersetzung noch einmal im Endformat durch, bevor Sie die Übersetzung abschließen. Erst dann sehen Sie, ob möglicherweise eine der Überschriften zu lang geraten ist und nicht mehr korrekt angezeigt wird. Oder vielleicht wirkt so mancher Zeilenabsatz unnatürlich.

Da sich bei der Übersetzung die Zeichenlänge jedes einzelnen Satzes ändert, sind nachträgliche Anpassungen fast immer notwendig. Passen Sie das Layout so an, dass Ihre Übersetzung dem Original optisch entspricht. Versuchen Sie also, die Seitenanzahl und -aufteilung des Ausgangstexts so gut wie möglich auch bei der Übersetzung beizubehalten. Befindet sich Kap. 4 im englischen Originaltext beispielsweise auf S. 7, sollten Sie dies auch in der deutschen Übersetzung anstreben.

Führen Sie eine computergestützte Qualitätssicherung durch

Übersetzungsprogramme (sogenannte CAT-Tools) bieten heutzutage zahlreiche Möglichkeiten, den Übersetzungsprozess zu vereinfachen und die Qualität des Outputs zu verbessern. Eine dieser Möglichkeiten ist die automatisierte Qualitätssicherung. Dabei wird Ihr Text von einer Übersetzungssoftware auf eventuelle Probleme bei Zeichensetzung und Rechtschreibung untersucht. Arbeiten Sie mit einer Terminologiedatenbank, kann der Text auch auf terminologische Konsistenz geprüft werden.

Wenn Sie Ihre technischen Übersetzungen verbessern möchten, gilt folglich vor allem: Gute Vorbereitung und die richtigen Hilfsmittel sind bereits die halbe Miete. Kommen dann noch die notwendigen Sprach- und Fachkenntnisse und eine sorgfältige Arbeitsweise hinzu, steht einer gelungenen technischen Übersetzung nicht mehr viel im Weg!

Sollten Sie dennoch Unterstützung benötigen, sind wir gerne für Sie da. Rufen Sie uns einfach an oder schreiben Sie uns, wir helfen Ihnen weiter!

2018-10-16T14:27:59+00:00